Gestern
Abend hatten wir das Vergnügen, zusammen mit lieben Hundefreunden,
den diesjährigen Vortrag der Happy Dog Tour 2012, mit dem
Wolfsexperten Günther Bloch und dem Verhaltensbiologen Dr. Udo
Gansloßer, besuchen zu können. Thema der diesjährigen Tour: Mein
Haus, mein Spazierweg, mein Mensch - Der Hund in Haus und Hof.
Rein
von der Thematik schon mal richtig interessant für alle
Hundefreunde! Selbst wenn man selber kein Haus mit Garten hat, wo ein
sogenannter O-Ton Bloch: „Alarmhund“ sein Unwesen treibt, bleiben
noch die Bereiche „Spazierweg und Mensch“!
Beide Aspekte, die eng mit der Thematik Sozialkompetenz verknüpft sind, werden von mir immer wieder gerne beleuchtet, denn zum ersten
habe, nein hatte ich, einen kleinen Angstbeisser,
ausgelöst durch eine traumatische Beissattacke im Alter von neun
Monaten und zum zweiten, habe ich einen Dackel!!
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Unser Caruso:
"Mein Haus-, mein Auto, mein Kamerausrüstungs-Bewacher"... | |
Der
Vortrag teilte sich in zwei Themenbereiche auf: Dr. Udo Gansloßer
betrachtete zunächste mit viel Humor und launig, aber durchaus mit
wissenschaftlichem Hintergrund den Revierbegriff an sich aus
verhaltensbiologischer Sicht. Denn, nicht überall, wo ein Hund auch
hinpinkelt, ist auch zugleich sein Revier. Genauso ist nicht jedes laute Bellen seine Revierankündigung. Im Gegenteil,
denn die unterschiedlichsten Signale gelten hier mehr als
„Nachrichten an einer Wandzeitung“, so Gansloßer: ...eben
Facebook für Hunde!“, als der Aufforderung „Zutritt verboten“.
Gansloßer zeigt weiter den Unterschied zwischen Revier und
Heim aus Hundesicht auf und die dazu jeweilige Verteidigungsstrategie
unserer Vierbeiner.
Nach
einer lockeren Pause, in der man auch in den zahlreichen Bücher- und
Veröffentlichungen der beiden Referenten schnuppern konnte, ging es
weiter mit dem Wolfsexperten Günther Bloch.
Da ich ihn zum ersten live kennenlernen
durfte, war ich wirklich angenehm überrascht, einen so sympathischen
und netten Kerl dort erleben zu dürfen. Zudem ist er sofort auf
Caruso „geflogen“ (Halterin hatte natürlich sofort wieder
„Herzchen in den Augen“...), ist er doch ein echter
Dackelliebhaber...
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Ein super Team: Günther Bloch und seine Hunde...
Copyright Foto: Ulla Bergob |
Im Anschluss stellte Günther Bloch
anekdotenreich, witzig und informativ, die aktuelle Erkenntnisse
aus über 16 Jahren Verhaltensforschung an Wölfen in freier Wildbahn
vor. Hierzu beleuchtete er die verschiedenen Zonen eines Wolfsrevier,
hat doch das innen- und Außenrevier unterschiedliche Bedeutung für
die Wölfe und auch unsere Caniden, die dementsprechend auch zu
einem unterschiedlichen Verhalten animieren. Auch
Fragen zum Aspekt der Lebensraumprägung für Welpen und Jungwölfe
wurde dargestellt und mit eigenen Videofilmen untermauert.
Weitere
praxisnahe Fragen, z. b., wie lange man mit Welpen spazieren
gehen solle, wie man sie an die neue, häusliche Umgebung gewöhnt und
nicht zuletzt, welche festen Regeln der Hundehalter/in in Haus
und Garten aufstellen soll und vor allem, welche auch durchsetzten?
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Auch kein Problem, wenn die Bindung stimmt... Günther Bloch beim Nickerchen mit seinem Hund.
Copyright Foto: Verena Scholze/Kosmos |
Neben
diesen ganzen Aspekten wurde auch ein weiteres Thema durchleuchtet,
nämlich die der sozialen Kompetenz des Leittieres der so, von Bloch
bezeichneten „Mischgemeinschaft?
Für
Bloch ist zum einen die sogenannte „Dominanz“ eines Leittieres keine Eigenschaft,
sondern kennzeichnet die Art und Weise einer Beziehung, die Haltung
zu einem Gegenüber. Er unterscheidet hier zwischen formaler und
situativer Dominanz: „Im alltäglichen Leben von Mensch und Hund
spielt die situative Dominanz einer der wichtigsten Rollen. Es gibt
immer wieder Konflikte, die gelöst werden müssen, wenn dem Hund
situationsbedingt klargemacht werden muss, was der Mensch gut heißt
und was nicht.
Bei der formalen Dominanz besteht die
Verpflichtung, den Hund zu schützen, wenn er unüberlegt in eine
schwierige Lage oder Gefahrensituation gerät.“ (Wölfisch
für Hundehalter, Günther Bloch, Elli Radinger, 2010, S. 37)
Was
bedeutet das für uns Hundehalter im alltägliche Leben?
Eine
Frage, die zum Thema soziale
Kompetenz immer wieder auftaucht, ist, „Was mache ich, wenn ich z.b. einen sehr kleinen
Hund habe und ein großer Hund stürmt auf uns zu?“
Hier
heißt es für den Hundeführer „Gefahr
vorzeitig erkennen, Gefahr bannen...!“
Gut wurde eine solche Szene auch in einem Video von Bloch unterlegt, wie
die Wölfin innerhalb von Sekundenbruchteilen die Lage scannte und so
die Gefahr für ihre Familie abschätze.
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An Deiner Seite...
Fühle ich mich sicher! |
Für
uns Hundehalter heißt dies in der Praxis, und ich kann es immer nur
wiederholen:
Gehen Sie aufmerksam spazieren, scannen Sie die Umgebung ab, seien Sie für Ihren Hund ein souveräner, und kompetener Anführer... Wenn plötzlich
ein unbekannter Hund mit eindeutiger Körpersprache auf ihr Team zu
getrollt kommt, vermitteln sie ihrem Hund Sicherheit, nehmen ihn
hinter sich und lassen den anderen Kandidaten nicht an ihren Hund
ran.
Wenn der andere Halter auftaucht, treten Sie mit diesem in Kommunikation und klären die Situation ab...
Launig wurde von Bloch zu einer solchen Situation auch eine
kleine Geschichte vorgetragen:
Eine Frau ging mit ihrem gerade
mehrere Monate alten Hund an einem Wasser spazieren. Dieser war auch
gerade in der Junghundphase, trollte sich auch manchmal weg und hörte
auch nicht immer, kennen wir ja...
Die
sich auf dem See befindlichen Schwäne hatten nun mal auch null Angst vor
dem Winzling und griffen den Kleinen an; die Hundehalterin nahm
souverän ihren Schirm und scheuchte die Angreifen weg...
Von
diesem Moment an änderte sich das Verhalten des Hundes schlagartig
und er gehorchte klasse und auch weglaufen war auch kein Thema mehr.
Grund: Die Halterin hat ihm Sicherheit vermittelt und sich kompetente
Führerin erwiesen!
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| Fürsorge und Beschützen... |
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| Sicherheit vermitteln... |
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Anleitung geben...
Dann klappt's auch mit dem Team Hund-Mensch!
Foto: Uschi Schlicht |
Viele, der von Bloch angesprochenen Thematiken, können auch in seinem, zusammen mit Elli Radinger, neu veröffentlichten Buch "Affe trifft Wolf" nachgelesen werden:
Der Mensch stammt tendenziell eher vom egoistisch und aufbrausen handelnden Affen ab, der Hund vom familiär-orientierten "Kooperatiosntier" Wolf. Schon alleine aus diesem Grund kommt es in der Mensch-Hund-Beziehung bisweilen häufig zu massiven Missverständnissen.
Das Buch ist im Kosmos-Verlag neu erschienen und basiert auf bahnbrechenden Erfahrungen aus 21 Jahren Freilandforschung an Wölfen, jahrelangen Verhaltensbeobachtungen an verwilderten Haushunden und intensiven Beratungen aus über 33.000 Mensch-Hund-Beziehungen.
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| Foto: Kosmos-Verlag |
Mit diesem Buch kann jeder Hundehalter lernen, wie man (egal ob laie oder Profi), die Diskrepanz zwischem unnötigen "Affenthater" und "Sozialkompetenz" einfach analysiert und entsprechend Rückschlüsse auf ein harmonisches Gruppenleben zieht.
Alles in allem, ein wunderbarer Abend, in dem alles um das Thema Hund ging, eben das Thema, welches mich einfach nicht mehr los lässt...
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| Foto: Kathrin Köntopp |